Kirche Wieslet

 
 

Evangelische Pfarrkirche Wieslet

Kurzfassung der Festschrift „Geschichte des Bauwerks, der Glocken und Orgel“ von Kurt Hodapp 1982
 
Aus dem Grußwort der Gemeinde Wieslet im September 1982 nach Abschluss einer umfangreichen Kirchenrenovierung wird deutlich, dass es einer großen Kraftanstrengung der Gemeinde Wieslet bedurfte, das Schmuckstück der Gemeinde wieder erstrahlen zu lassen. Die Außenfassade wurde erneuert, die Turmuhr überholt und ein neues Ziffernblatt eingesetzt. Innen wurde die Heizung komplett erneuert, die Orgel umgesetzt, eine neue Bestuhlung eingerichtet. Die Wandmalereien aus dem Jahre 1760 wurden freigelegt und Verzierungen über den Fenstern geben der Wiesleter Kirche eine persönliche Note.
Aus den Geschichtsbüchern liest man die schwierige und langwierige Entstehungsgeschichte der heutigen Kirche in Wieslet heraus. Vor der heutigen Kirche stand im Ort nur ein kleines, stets baufälliges Kirchlein am Rande des Friedhofes und es bedarf vieler Verhandlungen und Bitten der Gemeinde Wieslet, bis dann endlich im Jahre 1756 ein Neubau einer größeren Kirche in Wieslet mit neuem Standort beschlossen wurde. Der Neubau der heutigen Kirche begann 1757 nach den Plänen aus dem Jahr 1749 vom markgräflichen Baumeister Anton Schulz. Der damalige Pfarrer Krafft in Wieslet berichtet im Jahre 1757:
„Die allhiesige neue Kirche ist nun völlig bedeckt, sie ist auch von dem Meister Maurer inwendig völlig bestochen, so dass nicht nur die Zimmerleute, sondern auch die Schreiner darinnen im Trockenen arbeiten können“. Mit Hilfe der Gemeindeglieder wurde der Bau schnell fertiggestellt und am 30.Oktober 1757 eingeweiht. Der Abschluss aller Arbeiten an der neuen Kirche erfolgte im März 1758.
Die heutige Erscheinungsform der Kirche hat sich zu den Bauplänen von damals kaum verändert, auch die Teile der Empore an Nord- und Westseite mit ihren Balusterbrettern im Bauernbarock und die Rundstützen sowie Teile der Kanzel gehören dazu. Die bei der Renovierung 1979 wieder aufgedeckten Wandmalereien gehen auf das Jahr 1760 zurück, also der ursprünglichen künstlerischen Ausgestaltung der Kirche.
Die Ausmalung mit dem Kruzifix, den Biblespruchbändern und den Ornamentgittern über den Hauptfenstern sowie wohl auch den Außenornamenten und der Sonnenuhr lässt sich durch einen stilkritischen Vergleich dem in jener Zeit in vielen Markgräfler Kirchen tätigen Maler Joh. Jacob Stutz zuweisen.
Aus den historischen Dokumenten zum Kirchenbau ist nichts bezüglich der Glocken oder Orgel überliefert.
Aus dem Jahre 1867 ist bekannt, dass die bisherigen beiden kleinen Glocken (Vermutlich aus der alten Vorgängerkirche), mit ihrem Geläute nicht mehr den Anforderungen der Gegenwart entsprechen und erneuert werden müssen. Bereits 1868 sind die ersten beiden neuen Glocken angeliefert und montiert worden. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Gelder für neue, schwere Glocken  gesammelt und am 28.August 1921 wurden die 3 neuen Glocken (mit 704kg, 440kg, 210kg und umfangreichen Inschriften) feierlich eingeweiht. Schon nach 20 Jahren mussten auf Erlass des Nazi-Regimes die beiden großen Glocken abgebaut werden, sie wurden wohl eingeschmolzen. Nur die kleine Glocke blieb der Gemeinde übrig. Erst nach einigem Hin und Her konnte dann am 30.Oktober 1949 die neue Glockenweihe in einem Festgottesdienst erfolgen. Hierzu wurde auch der neue eiserne Glockenstuhl aufgestellt. Die alte kleine Bronzeglocke wurde vom Kirchengemeinderat günstig der politischen (Filial-)Gemeinde zur Verfügung gestellt und läutet jetzt als Rathausglocke von Enkenstein zu jedem Gottesdienst.
Auch bei der Orgel sind erst später nachweislich Dokumente aufgetaucht, was die Vermutung nahe legt, dass im Neubau der Kirche keine Orgel vorhanden war. Die erste (barocke) Orgel wurde 1784 auf der Chorempore (Orgel der Fa. Stein) eingeweiht und die Einweihung der neuen, zweiten Orgel erfolgte im Jahr 1929. Bevor die neue Orgel der Firma Hess erfolgte, gab es auch hier lange Verhandlungen und Änderung der gewünschten Pläne und zeitliche Verzögerungen. Am 3.Februar 1929 wurde dann auf Einladung des Pfarrers Specht mit  Ehrengästen und der Gemeinde die neue Orgel feierlich eingeweiht. Sie versah ihren Dienst genau 50 Jahre, bis die große Kirchenrenovierung im Jahre 1979 begann. Es gab viele Gespräche um die Änderung der alten Orgel bzw. die Anschaffung einer neuen Orgel. Schließlich entschied man sich für eine ganz neue Orgel der Firma Vier. Am Ende der Renovierungsarbeiten wurde die neue Orgel in die Pfarrkirche Wieslet eingebaut und im Jahre 1982 eingeweiht.
Trotz einiger Umbaumaßnahmen (z.B. Vergrößerung der Empore, um für einen Chor Platz zu haben) und durch eine große, aber behutsame Renovierung in den Jahren 1979 bis 1982 konnte in der Wiesleter Kirche das Erscheinungsbild des Originalzustandes weitgehend bis heute erhalten bleiben. Trotzdem entspricht die Kirche einer funktionalen zeitgemäßen Nutzung und der neuen Technikbedürfnisse.
 

Quelle: Ev. Kirchengemeinde VKW, Kurt Hodapp u.a.