Die Hofener Kirche
Die Hofener Kirche wurde im Jahr 1891 fertiggestellt. Vorher fanden die Gottesdienste in der alten Kirche im Kloster Weitenau (an der Strecke Steinen-Schlächtenhaus gelegen) statt. Da sich Ende des 18. Jahrhunderts die Klosterkirche und das Pfarrhaus in einem sehr schlechten baulichen Zustand befanden, wurden Neubauten angestrebt.
Die roten Sandsteine, die beim Bau der Kirche verwendet wurden, stammen aus den Wäldern und einem Steinbruch der Umgebung.
Am 15. Juni 1890 wurde der Grundstein zum Bau der Kirche auf dem Hofener Buck gelegt. Die Einweihung der Kirche fand im November 1891 statt.
Im ersten Weltkrieg wurde mit einer List verhindert, dass die Glocken, die von Glockengießer Backert aus Dallau hergestellt worden waren, abgegeben werden mussten. Man erzählt sich, dass der Schmied aus Hofen die Bronzespäne, die untersucht werden sollten, mit Gussspänen vermischt und alles fein gemahlen habe. So musste der Eindruck entstehen, die Glocken seien aus irgendeiner minderwertigen Legierung und deshalb nicht verwertbar.
Aber im Mai 1942 wurden dann die beiden größeren Glocken abgeholt, um eingeschmolzen und zu Waffen umfunktioniert zu werden. Nach dem Krieg ging man sofort daran neue Glocken zu besorgen. Die Kirchengemeinde schloss schließlich mit der Firma Weule aus Brockenem am Harz einen Vertrag über die Lieferung von zwei Klanggussglocken der Töne e und gis ab, die zusammen mit der alten h-Glocke wieder den früheren Akkord ergeben sollten. Nach der Bewältigung einiger Probleme (Brockenem im Harz lag schließlich in einer anderen Besatzungszone; 1948 fand die Währungsreform statt) wurden die Glocken geliefert und am 30. Januar 1949 geweiht. Die Glocken tragen außer der Jahreszahl und Name und Ort der Herstellerfirma folgende Inschriften:
- Die tiefe e-Glocke: „O Land, Land, Land / Höre des Herrn Wort.“ (Jeremia 22, 29)
- Die mittlere gis-Glocke: „Sei fleißig zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens . Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid auf einerlei Hoffnung eurer Berufung.“ (Epheser 4, 3-4)
1956 wurde dann die elektrische Läuteanlage angeschafft.
Seit Ende 1938 gibt es elektrisches Licht in der Hofener Kirche.
Der Zustand der Kirche wurde im Laufe der Zeit immer übler, so dass im Jahr 1953 beschlossen wurde, infolge der schlechten Heizmöglichkeit die Gottesdienste während des Winterhalbjahres nicht in der Kirche, sondern in den beiden Schulhäusern in Weitenau und Schlächtenhaus abzuhalten. Es waren auch Fenster kaputt, und eine Innenraumsanierung wäre dringend nötig gewesen.
1955 wurde ein Architekt aus Lörrach mit der Bauleitung für die Renovierung beautragt. Die Einweihungsfeier für die renovierte Kirche findet am 23. Dezember 1956 statt.
Die Kirche steht an einem besonders schönen, aber auch vom Wetter sehr beeinträchtigten Ort. In den 60er Jahren mussten mehrfach Reparaturen an den Fenstern durchgeführt werden. Auch aus heiztechnischen Gründen beschloss man 1972, die Fenster doppelt verglasen zu lassen.
Bei der Sanierung der Endenburger Kirche hatte eine erste Begegnung mit der Kunst von Prof. Johannes Schreiter, Langen stattgefunden. Nach einer Exkursion nach Laufenburg und der Besichtigung der dortigen „Schreiter-Fenster“ wird Prof. Schreiter gebeten, einen Entwurf für die künstlerische Gestaltung der Fenster der Hofener Kirche vorzulegen. Der Entwurf wurde begeistert aufgenommen und die Fenster wurden im Dezember 1974 eingebaut.
Professor Schreiter hat nur die bestellten Fenster in Rechnung gestellt, die übrigen 10 Fenster und vier Dreipässe an der Nordseite hat er zum Geschenk gemacht. „In den Glasfenstern der Hofener Kirche taucht zum erstenmal das ‚Band‘ auf, ein Motiv, das für die weitere Entwicklung des Werkes von großer Bedeutung sein sollte.“ (B. Schwarz, Das glasbildnerische Werk, S. 92). Professor Schreiter hat keine Deutung seiner Fenster abgegeben – jede/r Kirchenbesucher/in soll seine/ihre eigene Deutung finden.
Ein aus der Tegernauer Kirche stammender Tauftisch wurde neue aufgearbeitet. Unter Verwendung eines Teils des alten wurde ein neuer Altartisch angefertigt. Der frühbarocke Kruzifix wurde einer behutsamen Übermalung unterzogen.
1965 beschloss der Kirchengemeinderat, die 1891 von Kiene, Waldkirch, gelieferte Orgel von Grund auf zu restaurieren. Als dann allerdings Kostenvoranschläge für die Renovierung eintrafen, stand bald die Frage im Raum, was eine neue Orgel kosten würde. 1967 beschloss der Kirchengemeinderat, der Orgelfirma Peter Vier in Oberweier den Zuschlag für den Bau einer neuen Orgel zu erteilen. Der Gehäuseentwurf stammt von dem Architekten Erich Jakobi aus Reutlingen.
Der Ausbau der alten Orgel wurde rechtzeitig vor dem Scheibenfeuer der Jahres 1969 durch die damaligen Konfirmanden vorgenommen. Die Orgelweihe fand dann am Sonntag Judika 1969 im Konfirmationsgottesdienst statt.
Zum 100jährigen Jubiläum wurde der Kircheninnenraum saniert und die Außenanlage fertiggestellt.
Immer wieder wurde die Kirche bei Stürmen in Mitleidenschaft gezogen. Beim großen Unwetter am 16.08.1989 gingen mehr als 400 Ziegel zu Bruch, beim Sturm Lothar Weihnachten 1999 weitere 300, obwohl viele Ziegel mittlerweile durch den Kirchendiener, Ernst Roßkopf, mit Hilfe von Sturmklammern gesichert worden waren.
Das WC, das 1983 in der Kirche installiert worden war, wurde im Jahr 2000 grundlegend saniert und behindertengerecht ausgebaut.
(zusammengefasst aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum 1991 und geringfügig ergänzt)
Von dieser Beschreibung gibt es sogar eine französische Übersetzung, die Sie hier downloaden können.
Quelle: Kirchengemeinde Vorderes Kleines Wiesental
Quelle: Kirchengemeinde Vorderes Kleines Wiesental


