Mit Beginn des neuen Jahres bilden die vier Kirchengemeinden Zell, Schönau, Todtnau und An der Kleinen Wiese die „Evangelische Kirchengemeinde Wiesentäler.“ Sie ist – gemessen an der Fläche – nun die größte Kirchengemeinde im Kirchenbezirk Markgräflerland.
Ein Blick zurück zeigt die Entwicklungsdynamik: Ab 1997 war für die selbständigen Kirchengemeinden Neuenweg, Wies und Tegernau ein Pfarrer zuständig. Im Jahr 2012 fusionierten diese drei zur Kirchengemeinde „Oberes Kleines Wiesental.“
Parallel dazu schlossen sich die Gemeinden Endenburg, Weitenau und Wieslet zur Kirchengemeinde „Vorderes Kleines Wiesental“ zusammen.
Vorderes und Oberes Kleines Wiesental fusionierten dann im Jahr 2024 zur Evangelischen Kirchengemeinde „An der kleinen Wiese“.
Schon vor der Jahrtausendwende wurden Kindergärten und soziale Projekte gemeinsam verantwortet, was im weiteren Verlauf auf Betreiben des damaligen Pfarrers Siegfried Karg zur Gründung eines e.V. führte.
Mit dem "Verband der Evangelischen Kirchengemeinden im Kleinen Wiesental" hatte man nun „ein Dach“ zur Verfügung, unter dem Trägerschaften für Kindergärten und Beteiligungen an sozialen Projekten, aber auch gemeinsame Gottesdienste geordnet verortet werden konnten.
Im Oberen Wiesental vollzogen sich, im Tempo etwas reduzierte, im Ergebnis aber vergleichbare Entwicklungen. Die Kirchengemeinden Schönau und Todtnau teilten sich eine Pfarrstelle, Zell blieb selbständig.
Als erstes Resultat des Strategieprozesses "Evangelische Kirche in Baden (EKIBA) 2032", der vor drei Jahren startete, bildeten die Kirchengemeinden der „beiden Wiesentäler“ einen gemeinsamen Kooperationsraum, aus dem dann mit Beginn dieses Jahres die „Evangelische Kirchengemeinde Wiesentäler" hervorging. Als personelle Zielmarke sieht EKIBA 2032 für den Raum zwei Pfarrstellen und zwei Diakonenstellen vor.
Noch fehlt eine Diakon*in
Der Strategieprozess EKIBA 2032 sieht für die neue Kirchengemeinde zwei Pfarr- und zwei Diakonenstellen vor. Zwei Pfarr- und eine Diakonenstelle sind derzeit mit Diakonin Claudia Krüger und den Pfarrern Martin Rathgeber, Arno Knebel und Steffen Mahler mit unterschiedlichen Deputatsanteilen und Arbeitsschwerpunkten besetzt.
Was wird aus den Gebäuden?
Die Pfarrhäuser in Zell und in Tegernau bleiben voraussichtlich als Pfarrresidenzen bestehen. Der Erhalt dieser Häuser wird seitens der Landeskirche mitfinanziert. Art und Umfang der Mitfinanzierung regelt sich über die landeskirchliche Gebäudeampel.
Für Immobilien, die auf Grün stehen, ist eine Mitfinanzierung des Bauunterhalts von bis zu 55 Prozent vorgesehen. Außer den genannten Pfarrhäusern stehen auch die Kirchen in Gresgen, Tegernau (mit Gemeindehaus), Wies und Wieslet, Hofen und Schönau auf Grün.
Für die bisher schon bestehenden evangelischen Kindergärten übernimmt die neue Kirchengemeinde „Wiesentäler“ die Trägerschaft.
„Wiesentäler“ – eine Kirchengemeinde der weiten Wege
Die Wege in der neuen Kirchengemeinde sind beträchtlich. "Es wird ein nicht geringer Anteil an der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit auf der Straße bleiben.“ Das zwinge noch mehr als bisher zur Konzentration und verlange auch von den verbleibenden Ehrenamtlichen einen sorgsamen Umgang mit den verbleibenden Ressourcen.
Der neue Kirchengemeinderat, der am 1. Advent 2025 gewählt wurde, besteht nur noch aus sieben Mitgliedern – das entspricht ungefähr einem Viertel der bisherigen Gremienmitgliedern.
Deshalb sollen Orts- und Thementeams mithelfen, ehrenamtliches Engagement zu fördern und zu strukturieren. Die noch zu besetzende Diakonenstelle ist schwerpunktmäßig der Begleitung und Vernetzung dieser Teams gewidmet.
Ohne ehrenamtliches Engagement wird es nicht gehen.
Die Feststellung zeigt Krisen und Chancen. Da trifft es sich gut, dass sich Pfarrer Steffen Mahler seit Jahresbeginn auf landeskirchlicher Ebene als Studienleiter um die Begleitung ehrenamtlich Mitarbeitender in der Seelsorge kümmert.
Abschied und Neubeginn
Festgottesdienst zur Verabschiedung und Begrüßung der „Wiesentäler“ Kirchengemeinderäte
Im Festgottesdienst am Sonntag, 11. Januar 2026, um 10.30 Uhr in der evangelischen Stadtkirche Zell wurden die Kirchenältesten der Gemeinden "An der Kleinen Wiese", Schönau, Todtnau und Zell im Wiesental verabschiedet und die im Dezember 2025 gewählten Kirchengemeinderäte der „Evangelischen Kirchengemeinde Wiesentäler" in ihr Amt eingeführt.
--- Schon am 30. November des letzten Jahres waren Markus Becker, Sarah Gempp, Dorothea Kreutler, Melanie Kunz, Ulrike Oßwald, Sabine Schmidt und Ruth Schwald gewählt worden. 7,4% der Mitglieder in der neuen großen Kirchengemeinde hatten sich an der Wahl beteiligt. Für kirchliche Verhältnisse eine durchaus beachtliche Wahlbeteiligung. ---
Pfarrer Arno Knebel konnte eine große Schar von Gottesdienstbesucher*innen, die zu Verabschiedenden und die Mitglieder des neuen Kirchengemeinderates in der Evangelischen Stadtkirche in Zell willkommen heißen.
Diakonin Claudia Krüger, verabschiedete die nun aus dem Amt scheidenden mit hohem Respekt und großer Wertschätzung. Sehr authentisch – auch weil auf alemannisch vorgetragen, erinnerte sie an die entscheidenden Momente der letzten Jahre.
„Ihr habt viel geschafft,“ so würdigte sie die gezeigte Entschlossenheit und den damit verbundenen Mut zu weitreichenden Entscheidungen zusammen – und in der Wortwahl „geschafft“ schwangen beide Bedeutungen mit: „viel gearbeitet“ und „viel erreicht!“ Als Zeichen Ausdruck des Dankes wurden die Scheidenden mit dem Kreuz der Evangelischen Landeskirche Baden ausgezeichnet. Das jahrzehntelange Engagement von Hildegard Meyer (24 Jahre) und Ralf Kropf (43 Jahre) wurde mit der Ehrennadel in Gold gewürdigt.
Pfarrer Steffen Mahler und Pfarrer Martin Rathgeber übernahmen es dann, die sieben „Neuen“ mit Lesungen, Gebet und Segensworten in ihr Amt einzuführen.
Jetzt wird es darauf ankommen, sie nicht allein zu lassen, sondern mit Freude, Zuversicht und Gottvertrauen dafür Sorge zu tragen, dass die verstreuten Gemeinden in den beiden Wiesentälern in aller Verschiedenheit „zusammen wachsen“ können – damit „zusammenwächst“, was zusammen gehört.
Wolfgang Grether
(Herzlichen Dank an Wolfgang Grether, dem Berichterstatter der BZ, der uns die beiden sorgfältig und umfangreich recherchierten Artikel zur Verfügung gestellt hat.
Aus Platz- und Aktualitätsgründen haben wir sie an einigen Stellen gekürzt und bearbeitet.)