Strategieprozess ekiba32

 

„Du bist ein Gott, der mich anschaut!“ Dieser Satz der Jahreslosung begleitet uns durch 2023. Er gilt nicht nur im Januar, sondern auch im Frühjahr, im Sommer bis in den Herbst!
Ich habe ihn „im Gepäck“, wenn wir, Mitglieder des Bezirkskirchenrates, in den nächsten Monaten mit Ihnen das nächste Kapitel des Strategieprozesses ekiba32 aufschlagen und auf die kirchlichen Gebäude blicken.
Nicht alle Gemeindehäuser, Pfarrhäuser, ja auch nicht alle Kirchen können weiterhin von finanziellen Mitteln unsere Landeskirche bezuschusst werden. Deswegen müssen wir überlegen und entscheiden, welche anderen Möglichkeiten wir finden, Gebäude zu finanzieren, mit anderen zu teilen, zum Beispiel in ökumenischen oder kommunalen Kooperationen.
Aber wir werden auch ins Auge fassen, Gebäude abzugeben, wenn der Unterhalt und energetische Maßnahmen sich als zu aufwändig darstellen.
Das dies eine schwierige und auch emotionale Debatte sein wird, das leuchtet wohl schon auf in diesen wenigen Sätzen.
Mehr Sätze, ja ausführliche Informationen erhalten die Leitungsgremien aller Gemeinden im Laufe des ersten Halbjahres 2023. Wir informieren, diskutieren und holen uns die Ideen und Rückmeldungen Ihrer Gemeindeleitungen ein.
Detaillierte Informationen und Hintergründe finden interessierte Leser*innen auch auf der Homepage der Landeskirche und unseres Bezirks (www.ekiba.de/strategieprozess und www.ekima.info/strategieprozess). 
 
„Du bist ein Gott, der mich anschaut!“
Es ist für mich tröstlich, mutmachend, mit diesem biblischen Satz im Gepäck und im Herzen durch dieses Jahr zu gehen. Gott sieht uns! Jeden Einzelnen. Jede Einzelne. Alles, was bewegt und belastet. Gott stiftet Beziehung mit diesem liebevollen Blick.
Und für Beziehungen möchte ich werben! Auch in schwierigen Debatten – schlussendlich geht es um Beziehungen:  Zueinander, zu Gott, zu der Welt in nah und fern.
Gebäude schenken Heimat, beherbergen, wärmen. Aber nicht die Mauern und Steine an sich. Sondern durch die Menschen, die in diesen Gebäuden in Beziehungen stehen, sich anschauen, wahrnehmen, und sich Gott zuwenden. Sein leuchtendes Antlitz schenkt Segen!
 

Wie können wir ein vielfältiges Gemeindeleben erhalten, obwohl immer weniger Menschen vor Ort Mitglied einer Kirchengemeinde sind? Schon heute müssen Kirchenchöre mancherorts aufhören, weil der Nachwuchs fehlt. In anderen Gemeinden melden sich pro Jahr nur noch eine Handvoll Jugendliche zum Konfirmandenunterricht an. Unser Glaube blüht aber dort auf, wo er auf eine Gemeinschaft trifft und wo er sich bunt und vielfältig ausdrücken kann. Deshalb setzt unsere Landeskirche in Zukunft verstärkt auf die vertiefte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kirchengemeinden. Dies geschieht in sogenannten Kooperationsräumen, die jeder Kirchenbezirk einrichtet und in denen sich alle Kirchengemeinden beteiligen. In diesen Kooperationsräumen überlegen Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam, wie sie Kirche in ihrer Region gestalten möchten. 
Eine Zusammenarbeit ermöglicht auch eine Spezialisierung: Wenn eine Pfarrerin oder ein Pfarrer beispielsweise die Konfirmandenarbeit für alle übernimmt, haben die anderen mehr Zeit für andere Tätigkeiten. Damit entsteht Freiraum für Neues.
Ja, die Zusammenarbeit im Kooperationsraum wird die Ortsgemeinden verändern. Manchmal wird man Kompromisse eingehen und liebgewonnene Traditionen aufgeben müssen, um mit anderen gemeinsam etwas auf die Beine stellen zu können. Der Kooperationsraum soll Ausdruck einer Gemeinschaft sein, die über die Grenzen des eigenen Ortes hinausgeht und die uns ein vielfältiges Glaubensleben ermöglicht.
 

Wie möchten wir die Zukunft unserer Kirche gestalten? Das ist die Leitfrage des Strategieprozesses ekiba 2032, der derzeit in unserer Landeskirche läuft. Welche unserer Gebäude wir unter welchen Bedingungen behalten werden, ist dabei eine wichtige Frage.
Unsere Kirchengebäude sind weithin sichtbare Zeichen für gelebten Glauben. Sie sind der Stolz der Kirchengemeinden und setzen uns in Beziehung mit Generationen von Christinnen und Christen vor uns. Unsere Gemeindehäuser sind Zeugen einer Zeit, in der Kirche kontinuierlich gewachsen ist. Nun erleben wir eine Zeit, in der immer weniger Menschen unsere Gebäude nutzen und sich finanziell (über die Kirchensteuer und Spenden) am Erhalt beteiligen. Gleichzeitig werden der Betrieb und Erhalt der Gebäude aber immer kostspieliger. Deshalb muss sich unser Blick auf die Gebäude verändern. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, welche Gebäude wir für welchen Zweck benötigen und mit welchen Mitteln wir den Erhalt finanzieren können, denn in Zukunft wird es nicht mehr für alle Gebäude eine finanzielle Unterstützung der Landeskirche bei Baumaßnahmen geben. Welche Gebäude weiterhin gefördert werden und welche nicht, entscheidet dabei der Kirchenbezirk.
Aber was passiert mit den Gebäuden, die nicht mehr gefördert werden? Die Antwort darauf kann sehr unterschiedlich sein. Manche Gemeinden suchen sich bewusst neue Räume, z.B. in leerstehenden Ladenlokalen oder bestehenden Dorfgemeinschaftshäusern, und sind damit näher an die Menschen herangerückt, die sonst kaum über die Schwelle einer Kirche treten würden.
Die Gebäudefrage ist ein guter Anlass, sich im eigenen Umfeld einmal umzuschauen: Mit wem können wir zusammenarbeiten? Wer hat einen Raum für uns, wer sucht vielleicht einen Raum und kann ihn bei uns finden? Die Entscheidung für oder gegen ein Gebäude wird niemandem leichtfallen. Viele schöne Erinnerungen hängen an den bestehenden Gebäuden, und die gilt es zu würdigen. Wenn wir nun in die Zukunft schauen, muss die Frage aber heißen: Wie können wir neue schöne Erinnerungen schaffen? Dafür braucht es nicht die eine Kirche oder das eine Gemeindehaus, sondern engagierte Menschen, die unsere Kirche und unseren Glauben mit Leben füllen. Lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken, wie wir die Zukunft unserer Kirche gestalten können.
 

Wie in Wirtschaft und Industrie sieht sich auch unsere Kirche mit einem großen Fachkräftemangel konfrontiert: Die Hauptamtlichen aus den geburtenstarken Jahrgängen gehen in den nächsten Jahren in Rente und es kommen nur wenige junge Menschen nach. Dies betrifft alle Personengruppen in unserer Kirche, die Pfarrerinnen und Pfarrer genauso wie die Diakoninnen und Diakone, die Kirchenmusikerinnen und -musiker oder die Verwaltungsangestellten.
In Anbetracht der rückgängigen Mitgliederzahlen und Kirchensteuermitteln muss unsere Kirche zugleich mit 30 Prozent weniger Personal auskommen. Deshalb braucht es einen neuen Blick auf die Verteilung von Stellen und Zuständigkeiten in unserer Landeskirche. Wir wollen, dass auch in Zukunft Kirche da ist, wo sie gebraucht wird: Bei den Menschen. Wo heute einzelne Hauptamtliche in einzelnen Gemeinden wirken, werden in Zukunft Teams von Hauptamtlichen gemeinsam für die Gemeinden einer ganzen Region (den sogenannten Kooperationsräumen) zuständig sein. Dann kann sich z.B. der Diakon auf die gemeinsame Jugendarbeit konzentrieren, während die Pfarrerin vielleicht einen Schwerpunkt in der Arbeit mit älteren Menschen oder in der Seelsorge setzt.
Diese Veränderung stellt eine große Herausforderung für alle Gemeinden dar, denn die Hauptamtlichen sind wichtige Personen im Alltagsleben einer Gemeinde, die wir nicht verlieren wollen. Im Rahmen des Strategieprozesses werden nun Modelle entwickelt und ausprobiert, wie das gut gelingen kann.
Die mittelfristige Planung im Evangelischen Kirchenbezirk Markgräflerland wurde Ende 2022 beschlossen.
Übrigens: Auch in Zukunft werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den attraktiven Arbeitsplatz „Kirche“ gesucht. Wenn Sie also Menschen kennen, die Lust auf die Arbeit als Pfarrer*in, Diakon*in oder Kirchenmusiker*in haben, dann sprechen Sie diese an und machen Sie Werbung für die „Himmlischen Berufe“ (https://www.himmlische-berufe.de).
Mehr Informationen zum Strategieprozess der Landeskirche finden Sie unter www.ekiba.de/2032.