Rückblick:




Unter diesem Motto will die Kirchengemeinde Oberes Kleines Wiesental die 1895 durch August Merklin erbaute Orgel in den originalgetreuen Zustand zurückversetzen um damit diese einzigartige Romantikorgel wieder zu beleben.
Das Projekt wird über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den "Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Iändlichen Raums (LEADER)" mitfinanziert. Mehr Info dazu erhalten Sie durch Klick auf die Logos.
Der Umbau aus den 1960er Jahren, damals verbunden mit einer starken klanglichen Veränderung, wird rückgängig gemacht. Möglich wird die Rückführung, weil die seinerzeit ausgebauten Pfeifen auf dem Dachboden der Kirche wiederentdeckt wurden und somit heute ein großer Teil der Originalsubstanz noch erhalten ist.
• ein nahezu einzigartiges Kulturdenkmal zu erhalten und zu neuem Leben zu erwecken
• das Andenken unserer Vorfahren zu ehren und zu würdigen, die sich diese Orgel unter größten Mühen erschaffen haben
• das kulturelle Leben im kleinen Wiesental zu stärken
• den Tourismus im kleinen Wiesental zu fördern
• die Kirchengemeinde in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken
• die Handwerkskunst die seit hunderten von Jahren erhalten und vervollkommnet wird zu fördern
• die Suche nach Nachwuchsorganisten zu unterstützen
Die Orgel wurde im 3. Jh. v. Chr. erfunden und war zunächst Symbol für weltliche Prachtentfaltung. In den Kirchen fand sie ab dem 9. Jh. n.Chr. Verbreitung. Orgelmusik wurde im Lauf der Zeit zu einem wichtigen Bestandteil der christlichen Liturgie.
So stehen Orgeln heute für viele als Symbol für „schöne Gottesdienste", für „richtige" Kirche. Orgelmusik gehört zur Hochzeit, zur Beerdigung einfach dazu. Orgelmusik richtig eingesetzt und gespielt assoziiert Transzendenz, Ewigkeit. Musiker aller Zeiten hoben die Orgel als Königin der Instrumente auf den Thron. Vielleicht deshalb, weil ihr ungewöhnlicher Klang die nicht fassbare Dimension des Unendlichen hörbar macht. Angela Merkel, Bundeskanz-lerin, sagt:
„Die Kunst der Orgelmusik ist wie keine andere geeignet, uns Menschen den Himmel zu öffnen“
Im Dezember 2017 hat die UNESCO die Orgel zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben.
Prof. Dr. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission:
"Jede Orgel ist ein Unikat, weil sie einzig für den architektonischen Raum erbaut wird, in dem sie erklingen soll. Das für den Orgelbau und die Orgelmusik notwendige hoch spezialisierte Wissen und die besonderen Fertigkeiten wurden von Handwerkern, Komponisten und Musikern über Jahrtausende entwickelt. Die Orgelkultur ist eine traditionelle Kulturform, die in Deutschland eine wichtige Basis hat.
Der besonderen Bedeutung der Orgel trägt auch die „Deutsche Orgelstraße“ Rechnung, deren Schirmherr Ministerpräsident Kretschmann ist.
Die Orgelkunst erlebte ihre erste Blütezeit im Barock, Komponisten wie Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Johann Pachelbel schufen meisterhafte Kompositionen für die Orgel. In der Klassik geriet die Orgel dann für kurze Zeit in Vergessenheit. Im 19. Jahrhundert entstand mit der romantischen Orgel ein neues, vollkommen anderes, orchestrales Klangideal. Im Vordergrund stand das Ideal der „Vermischung“ – die Orgel sollte wie ein Orchester klingen. Berühmte Komponisten aus der Zeit der Romantik sind u.a. Felix Mendelssohn- Bartholdy, Franz Liszt und Johannes Brahms.
[DIE ORGELBAUFAMILIE MERKLIN]
Die Orgelbauerdynastie Merklin stammt aus dem Breisgau. Stammvater Franz Joseph Merklin (1788-1857) gründete die Werkstatt in Oberhausen und verlegte sie später nach Freiburg. Aus der Familie gingen sechs selbständige Orgelbaumeister hervor. Der in Tegernau tätige August Merklin (1860-1940) stammt aus der Enkelgeneration Franz Josephs. August lernte Orgelbau in Freiburg, seine Gesellenjahre führten ihn nach Paris, Brüssel und Lyon, wo sein Onkel Joseph Merklin wirkte. 1883 ist er wieder in Freiburg zurück und wirkt dort bis in die 1930er Jahre.
Die Fa. Merklin war eine der führenden Orgelbauunternehmen und ein großer Konkurrent des berühmten Aristide Cavaillé-Coll.
Merklin führte einen rein handwerklich geprägten Betrieb. Seit etwa 1880 hatte die Mechanisierung und Serienfertigung im Orgelbau Einzug gehalten – nicht so in der Werkstätte Merklin. Hier wurde jedes Instrument einzeln neu konstruiert und jedes Bauteil einzeln hergestellt. Dies machte damals die besondere Qualität seiner Instrumente aus, die auch heute noch gut erkennbar ist und Merklins Orgeln von derjenigen der städtischen „Orgelfabriken“ unterscheidet.
Die Orgel in Tegernau wurde 1895 von August Merklin erbaut. Sie ist heute eine der nur acht erhaltenen Orgeln von August Merklin (bei ca 50.000 Orgeln in Deutschland insgesamt!) und stellt hinsichtlich ihrer Größe und des Erhaltungsgrads eine Besonderheit dar.
Der Bau der Orgel war für die damalige Gemeinde ein Kraftakt. 5000 Mark mussten aufgewendet werden (das entsprach damals fast acht Jahresgehältern eines Postboten) und die Gemeinde packte kräftig mit an (Es waren sogenannte Fuhr- und Handfronen zu leisten.)
Einen ersten Umbau erlitt die Orgel 1917, als im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg die Zinnpfeifen abzugeben waren und als kriegswichtiges Material eingeschmolzen wurden.
Die Pfeifen wurden durch minderwertiges Zink ersetzt, was bis heute nicht korrigiert wurde. In den 1960er Jahren wurde dann die Orgel im neobarocken Stil umgebaut. Mehrere typische Romantikregister wurden ausgebaut, Windzuführung und Intonation verändert. Glücklicherweise blieben die meisten der ausgebauten Pfeifen erhalten und wurden vor einiger Zeit auf dem Dachboden der Kirche – gut erhalten – wiederentdeckt.
Im Wesentlichen werden die alten Register wieder eingebaut, fehlende Pfeifen im damaligen Stil ersetzt, die Windzuführung erneuert und die Orgel im Stil der Romantik neu intoniert. Als Bauzeit wird ein Jahr veranschlagt, beauftragt wird die Fa. Steinhoff als regional ansässiges Unternehmen.
Motivation für die Restaurierung ist, ein nahezu einzigartiges Kulturdenkmal zu erhalten und zu neuem Leben zu erwecken. Nach Einschätzung vieler Experten wird es die größte und besterhaltene Merklin-Orgel in weitem Umkreis. Damit soll auch das Andenken unserer Vorfahren geehrt und erhalten werden, die sich diese Orgel unter größten Mühen erschaffen hatten.
Mit dem Umbau wird das kulturelle Leben im kleinen Wiesental gestärkt, denn die Orgel wird für Organisten interessant als Konzertinstrument und unterstützt den Versuch, namhafte Organisten zu gewinnen. Die Merklin-Orgel in Tegernau soll, zusammen mit der Orgel in Wies, in die Deutsche Orgelstraße aufgenommen werden, was sie bei Orgelfreunden in nah und fern bekannt macht und damit ebenfalls den Tourismus im Kleinen Wiesental fördert. Auch die Handwerkskunst, die seit hunderten von Jahren erhalten und vervollkommnet wird, soll gefördert werden.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass solch ein kostbares Instrument auch dazu beitragen kann, Nachwuchsorganisten zu gewinnen.
Das Projekt wird großzügig gefördert durch LEADER und durch die Evangelische Landeskirche Baden. Trotzdem muss ein nennenswerter Teil der Kosten durch Spenden aufgebracht werden. Das zu organisieren hat ein Orgelausschuss in die Hand genommen, in dem noch die Mitarbeit weiterer Interessierter willkommen ist. gerne weshalb ein Förderkreis gegründet wurde. Denn bis zum Sommer 2021 mussten alle geplanten Aktivitäten wieder abgesagt werden. Jetzt aber hoffen wir, loslegen zu können. Denn inzwischen sind die Arbeiten bereits weit voran gegangen. Bald ist unser Kleinod wieder spielbar. Ein Orgelfest zur Wiedereinweihung feiern wir dann am 8. Mai 2022 zum 127. Geburtstag der Orgel.